Die Hunsrückbahn

Der Zug steht bereit auf dem Bahnhof von Emmelshausen bevor er die 15 km langen Strecke über den Hunsrück nach Boppard am Rhein anfasst.

Ein wenig Geschichte

Der Bau der Bahn an der linken Rheinseite (Koblenz - Boppard - Bingen), der 1857 fertig gestellt wurde, machte den Massentransport von rohen Mineralien und Industrieprodukten möglich, ohne dass man vom Wasserweg (= dem Rhein) Gebrauch machen musste. Bald nahm der Verkehr, insbesondere die Beförderung von Personen, zu. Am Ende des 19. Jahrhunderts entstand das Bedürfnis zum erschliessen des Hunsrücks. In einer Zeit, wo kaum Verkehr war, konnte nur eine Bahnlinie Abhilfe schaffen. Ausser der Beförderung von Personen war der Transport von dem so reichlich verfügbaren Holz gefragt. Weiterhin konnte die Bahn eingesetzt werden zum Transport von Landbaumaschinen (in jener Zeit war der Hunsrück grösstenteils agrarisch), Kohlen, Baumaterialen und Landbauprodukten.

Die Geschichte der verschiedenen Teilstrecken wird kurz erläutert anhand unterstehender Karte. In Schwarz ist die Hunsrückbahn angegeben, in Grün-Braun die Bahnlinien am Rande des Gebiets durch die Täler von Rhein, Mosel und Nahe.


Die verschiedenen Teilstrecken

Am 6. Oktober 1889 wurde die erste Teilstrecke eröffnet. Diese lief von Simmern bis Langenlonsheim, wo der Anschluss mit der Nahe-Bahn von Idar-Oberstein zu Bingerbrück ins Rheintal war. 1983 wurde der Transport von Holz gestoppt, aber bis heute wird die Strecke benuzt zum Transport von Holz und von Industrie im Guldenbachtal zwischen Rheinböllen und Stromberg (Siehe Foto).

An einem regnerischen Tag kann man das feuchte Holz auf dem Bahnhof von Stromberger Neuhütte im Guldenbachdal fast riechen.....

Juli 1901 folgte die Eröffnung der Strecke Simmern-Kirchberg, 1902 Kirchberg-Morbach, und 1903 Morbach- Hermeskeil, womit der Hunsrück mehr oder weniger durchquert wurde. Schon 1976 wurde die Beförderung von Personen auf dieser Strecke stillgelegt. Güterbeförderung findet auf der Strecke Simmern-Morbach nur noch vereinzelt statt, besonders der Transport von Holz.

1901 fand auch die Eröffnung der wichtigen Strecke Simmern-Emmelshausen-Boppard statt, womit die Verbindung vom Rhein, via Nahe, Simmern und Emmelshausen zurück zum Rhein fertig war. Insbesondere die Strecke von Buchholz nach Boppard war (und ist !) ein besonderes Kunststückchen : auf 6 km steigt der Zug 326 Meter, wobei 5 Tunnel und 2 hohe Viadukte genommen werden müssen. Die 50 m. hohe Hubertusschluchtbrücke war lange Zeit eine der höchsten steinernen Bahnbrücken Deutschlands. Noch immer kann man die Strecke Emmelshausen-Boppard mit dem Zug fahren. Das kann man zum Beispiel gut mit einer Wanderung durch die Ehrbachklamm kombinieren.

Die Strecke Simmern-Gemünden ist als letzte gebaut worden (1922 fertig) und als erste Strecke wieder stillgelegt worden (1963). Schon 1964 wurde die Bahnlinie ganz abgebrochen und nur in topographischen Karten ist der Lauf noch zu erkennen. Dieses war dann auch eine "Sackstrecke".

Von Hermeskeil aus lief die Bahn bis Turkismühle an die Grenze von Rheinland-Pfalz und Saarland. Dort war ein Anschluss mit der Linie durch das Nahetal zu Idar-Oberstein, und auf der Saarländische Linie zu Sankt Wendel.

Von Hermeskeil aus läuft auch noch eine Strecke westwärts via Kell und das Ruwertal nach Trier. Bis vor einigen Jahren fanden hier noch Museumsfahrten statt.


Der baufällige Bahnhof von Pfalzfeld in den 80-er Jahren.....

.....und das heutige Hotel (Waggon) mit Restaurant (Bahnhof)

Auf der Wanderung, zum Beispiel auf der Mühlentour rundum Morbach, kann man häufig der verlassenen Eisenbahn begegnen, die anscheinend noch schön aussieht. Auch wenn man man kein "Eisenbahnfreak" ist, ist es traurig dass über diese wunderschöne Strecke, durch diese schöne Landschaft, keine Lok mehr "pufft". Leider haben die meisten Hunsrücker, und sicherlich die Behörde, keine Auge für dieses Sterbende. Nur einige Bahnfanatiker tun alles mögliche (sehe http://www.rhein-nahe.com/eisenbahntours ), aber Gefühl für vergangenen Glanz ist kaum da. Glücklicherweise tut man alles mögliche, die Strecke zu erhalten. Im Jahre 2000 hat man ein, schon existierenden Radweg über die Bahnstrecke, ausgebreitet zu einer 38 km langen Fahrradstrecke von Emmelshausen via Pfalzfeld und Kastellaun nach Simmern, der sogenante Schinderhannes-Radweg ("Wo einst die Dampflok schnaufte ....."). Bei den Fremdenverkehrsvereinen in Emmelshausen, Kastellaun und Simmern ist ein schönes Prospekt erhältlich.

Was überbleibt ist Nostalgie. Wie man lesen kann in alten Zeitungschroniken :
"Am 9. Januar 1890 muss wegen des starken und nicht erwarteten Personenverkehrs der Fahrkartenverkauf durch den Schaffner im Zug auf die Haltestationen verlegt werden.
Im Juni 1890 wurde an einer Gefahrenstelle ein Hund tot gefahren, wil die Lokomotive nicht geläutet hatte. An der gleichen Stelle wäre ebenfalls wegen des Unterlassens des Läutens fast ein Fuhrwerk mit Pferden überrollt worden.
Mit der Firma Puricelli gibt es längere Auseinandersetzungen weil die Bahnlinie den Holztransport aus deren Waldungen von der Strasse abgeschnitten hatte. Man verlangt Verbesserung der Wegeverhältnisse und fordert Überfahrten. Im November 1891 kam es zur Einigung. Auch die Gemeinde Ellern beantragt einen Überweg, um an einen grösseren Ödlandbezirk heranzukommen."

Wird die Dampffahrt jemals noch im Hunsrück erschallen, oder ist die Bahn in einigen Jahren verwandelt in einen Radweg, bevölkert von Fremden, die sich verwundert fragen wie sich in dieser hügeligen Landschaft eine so schöne und so wenig unebene Strecke gebildet hat ..... ???

Die Loc 94817 töfft in den 30-er Jahren über den 50 Meter hohe Hubertusviadukt auf das steile, aber sehr schöne Strecke Boppard - Emmelshausen     (Photo Sammlung Bellingrodt, mit freundlicher Mitwirkung von Herrn R. Statius Muller)