Hunsrück, Rhein und mythischer Loreley-Felsen

Von der Hunsrückseite aus schauen wir auf den mythischen Loreley-Felsen, der eigentlich im Taunus-Gebirge liegt


"Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn".


Dies ist die erste Strophe des Loreley-Liedes, dessen Text vom deutschen Dichter Heinrich Heine stammt und im Jahr 1824 geschrieben wurde. Die Loreley ist ein in den Rhein ragender Felsen im Teilstück „Mittelrhein" zwischen Koblenz und Bingen nahe der Stadt Sankt Goarshausen. Der Fels ragt zwar beinahe senkrecht empor und ist etwas höher als seine Umgebung, fällt aber ansonsten nicht in besonderm Maße auf. Dennoch hat er eine mythische Ausstrahlung, die u.a. einer Legendenbildung zuzuschreiben ist: viele wissen sich noch der Erzählung zu erinnern, in welcher so mancher Schiffer dem unwiderstehlichen Lockruf der Nymphe auf dem Felsen folgte und einen traurigen Tod in den Wellen fand. Nur wenige wissen, wie die Geschichte weiter ging. Die Sage („Die Sage von der Loreley") und der vollständige Text des Loreley-Gedichts („Heinrich Heine: Das Loreley-Lied") sind hier zu finden:
http://www.loreley.de/loreley/loreley.htm

Jetzt aber genug von der Loreley und ihren Sagen, wir wollen sie sehen! Obwohl sich die Loreley auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins befindet und somit offiziell zum Taunusgebirge gehört, ist sie am besten von der Gegenseite, also der Hunsrückseite, aus zu sehen. Nun, daraus lässt sich eine schöne Wanderung machen, die die Hunsrückhöhen kombiniert mit den vielen prächtigen Aussichten auf Rhein, Taunus und die kleinen Rhein-Städtchen Sankt Goar, Sankt Goarshausen und Oberwesel.
Die Wanderroute ist in folgender Karte rosa gekennzeichnet.

Wir beginnen die Wanderung in Oberwesel, wo wir mit dem Zug oder Auto ankommen. Parkmöglichkeiten gibt es in der Nähe des Bahnhofs oder direkt am Rhein, ein paar hundert Meter Fußweg vom Bahnhof entfernt. Buchen Sie dort eine einfache Reise nach Sankt Goar. Übrigens: ein elektronischer Fahrplan der Deutschen Bahn ist hier zu finden: http://reiseauskunft.bahn.de/bin/detect.exe/bin/query.exe/d.
Vom Bahnhof St. Goar aus folgen Sie der Hauptstraße in nordwestliche Richtung und gehen dann links Richtung Burg Rheinfels. Obwohl diese Burgruine nicht auf unserer Route liegt, lohnt die Mühe eines Umweges, um diese sehr große Burgruine zu besichtigen. Wollen Sie das nicht, müssen sie (nachdem Sie links abgebogen sind) ein Stück weiter in der Rechtskurve all den Schildern nach links folgen. Von hieraus ist die steile Route mit seinen kurvenreichen Wegen und Stufen nach oben einfach zu finden. Sie führt uns durch den Waldabhang bis wir oben angekommen plötzlich die Häuser des zu St. Goar gehörenden Biebernheim erkennen.
Wir nehmen den Weg nach links (man kann auch erst noch ein Stück geradeaus gehen und dann links abbiegen) und folgen dem Wanderweg Nr. 7, der uns mit einer kleinen Windung um die Mini- Schlucht des Lohbaches führt (hier hätten wir auch hochklettern können, was allerdings viel steiler gewesen wäre). Direkt links halten, noch immer der 7 folgen und wir verlassen schon das Dorf. Wir schauen über die Felder und erreichen den Punkt, wo Foto 1 gemacht wurde. Kurz danach, in der Rechtskurve befindet sich eine Aussichtsplattform mit einem schönen Blick auf den Rhein, St. Goar und St. Goarshausen (Foto 2).


Foto 1 : Wir haben soeben Biebernheim verlassen und laufen durch die Felder in Richtung Rhein.....

.....wo wir eine schöne Aussicht über den Rhein, St. Goar und St. Goarshausen haben. Bei genauem Hinsehen ist auch die Burgruine Rheinfels zu erkennen! (Foto 2)

Wir folgen nun dem Rhein so gut wie möglich, vergessen aber nicht, dass Wanderweg Nr. 7, oder noch besser der „Weinwanderweg" (ausgeschildert mit einem Weintraubensymbol), unser Leitfaden ist. Wir passieren einen hölzernen Aussichtsturm und erreichen wieder die waldreichen „Tiefen" beim Rhein, wo wir uns rechts halten. Dort erreichen wir unseren nächsten überdachten Aussichtspunkt, der uns einen fantastischen (wahrscheinlich den schönsten) Ausblick auf die Loreley bietet: siehe Foto 3. Langsam gleiten die Rheinkähne mit ihren vielen Tonnen stromabwärts auf ihrem Weg nach Mannheim oder selbst in die Schweiz !
Wir laufen weiter am Waldrand entlang und biegen etwas später nach links ab (Wanderweg 7 wird nun Wanderweg 8 bzw. bleibt der „Weinwanderweg" mit dem Weintraubensymbol), steigen ab zum Seelenbach (Foto 4) und „klettern" wieder hoch durch den Wald. Ein abwechslungsreicher Waldpfad führt uns zu einem weiteren Bach (dem Galgenbach) und danach wieder hoch zu einem echten Aussichtspunkt: Loreleyblick, auch „Mariaruh" genannt. Dieser überdachte Aussichtspunkt liegt direkt beim Dorf Urbar und zieht wegen des Parkplatzes ind der Nähe auch viele „Nicht-Wanderer" an. Bei schönem Wetter bietet diese Hütte mit nahegelegenen Sitzbänken und einem Picknick-Platz ein stundenlanges Vergnügen, bei dem man ab und zu zum „Rand" schlendern kann, um wieder den Ausblick auf Rhein, Loreley und die weitere Umgebung zu genießen.


Foto 3 : Fantastische Aussicht auf die Loreley


Foto 4 : Ziemlich plötzlich laufen wir durch den Wald und steigen ab zum Seelenbach und Galgenbach

Wir müssen wieder weiter. Noch immer folgen wir dem Weinwanderweg, durchqueren Felder und passieren Waldränder, wo wir ab und zu einen Blick auf den Rhein oder die gegenüber liegende Seite des Flusses werfen können. So erreichen wir die Weinberge, die hier „Beulsberg" und „Sieben Jungfrauen" heissen. Die letztgenannten sind nach einer Reihe fürchterlicher Felsbrocken benannt, die im Rhein liegen (lese hierzu vor allem den Text der Loreley-Sage!). Die Weinberge erscheinen erst hier, weil wir eine Rechtsbiegung gemacht haben und die Lage zur Sonne hier günstig ist. Über die „Ölsberg"-Weinberge, den „Skulpturenpark" (einige etwas verloren wirkende Bildhauerei-Kunstwerke) und eine schöne Kapelle erreichen wir den befestigten Weg Urbar-Oberwesel.
Hier können wir ein Stück (ca. 1 km) den Weg benutzen, schöner ist allerdings der Gang kurz rechts über den Asphalt, um dann links der Route 9 zu folgen. Nach ca. 300-400 m gehen wir links über den Pfaffenberg (Aussicht!) und beim Erreichen des „Langstrecken-Pfades" mit dem „R" (Rheinhöhenweg) gehen wir wieder links, wo wir auf dem Asphaltweg den Wanderern begegnen, die diesen kleinen Umweg nicht machen wollten. Der hier beschriebene Umweg ist nicht in der rosa gekennzeichneten Route in obiger Karte aufgenommen, der Aussichtspunkt ist allerdings deutlich darauf zu erkennen. Nun folgen wir wieder der gesamten Route. Geniessen Sie die prächtige Aussicht auf Oberwesel (s. Foto 5). Dieses Foto wurde übrigens in der Nähe des Ortes gemacht, an dem auch vor vielen Jahren das Foto zum Text „Allgemeine Informationen" auf der Seite „Wandern" geschossen wurde.
Das letzte Stück führt uns durch die Weinberge an einzelnen relativ neuen Häusern vorbei und, den Asphaltweg überquerend, entlang der jahrhundertealten Stadttürme und -mauer schliesslich nach Oberwesel. Nun noch über die Hauptstraße, vorbei an alten und neuen Gebäuden, Fachwerkhäusern und Geschäften, zum Bahnhof oder zum geparkten Auto. So haben wir eine schöne und nicht allzu lange (12 km) Wanderung hinter uns.

Information

Die zu dieser Wanderung gehörende Karte im Maßstab 1:25.000 ist die von St. Goar-Oberwesel („Im Tal der Oberwesel"), erhältlich beim Fremdenverkehrsverband in St. Goar und Oberwesel sowie in den dortigen Buchhandlungen. Ebenfalls noch brauchbar ist eine Karte im Maßstab 1:50.000, z.B. die die Karte „Der Rhein von Bingen bis Koblenz", die an den selben Stellen erhältlich ist.
Soweit ich weiss, steht diese Wanderung in keinem Buch, zumindest in keinem der von mir an anderer Stelle genannten Hunsrück-Wanderbücher. Dennoch ist es gerade wegen der schönen Aussicht auf die allen Deutschen bekannte Loreley eine ziemlich populäre Wanderung. Darum sollte man nicht überrascht sein, vor allem am Wochenende und im Sommer Mitwanderern zu begegnen.
Es handelt sich hier um eine Linienwanderung, da aber Beginn- und Endpunkt bei Bahnhöfen liegen, kann das kein Problem sein. Siehe im obigen Text den Link zum deutschen Reiseplaner.
Da die Wanderung nicht so lang ist, kann sie leicht (inklusive Pausen bei den schönen Aussichtspunkten) in einem etwas längeren Nachmittag gelaufen werden. Wenn man vormittags aufbricht, sollte man Brote nicht vergessen, denn normalerweise kommt man an keiner Essensgelegenheit vorbei. In der Nähe des Loreleyblickes ist es zwar nicht weit nach Urbar, fraglich ist jedoch, ob dort etwas geöffnet ist. Es ist außerdem viel schöner, die mitgenommenen Brote beim Loreleyblick zu essen. Mit solch einem Ausblick schmeckt das Brot doppelt so gut! Und warum sollten Sie es nicht so machen wie wir? Gehen Sie doch vor der Wanderung zum örtlichen Bäcker, Metzger und Obst-/Gemüsehändler oder Supermarkt und stellen Sie sich einen Proviant-Vorrat zusammen !

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Foto 5: Kurz vor dem Abstieg nach Oberwesel haben wir einen wunderbaren Blick auf dieses Wein- und Rhein-Städtchen